Korkindustrie

Portugal ist mit einem Weltmarktanteil von ca. 50% der größte Produzent von Kork weltweit

Von der weltweiten Anbaufläche von Korkeichen entfallen ca. 34% auf Portugal, wo die Korkeiche sowohl in den naturbelassenen Wäldern der Serra wie in Korkplantagen gedeiht. Die Korkindustrie gilt als besonders ökologisch und nachhaltig, da die zur Gewinnung des Korks benötigte Rinde der Korkeiche in einem streng regulierten Prozess geerntet wird, ohne den Baum zu schädigen und wieder nachwächst.

Bis Anfang des letzten Jahrhunderts waren São Brás de Alportel und Silves die wichtigsten Standorte für die Korkherstellung in Portugal. Dort wurden in über hundert Fabriken die in der Wäldern der Serra geerntete Rinde der Korkeichen verarbeitet. In neuerer Zeit hat sich das Zentrum der Korkgewinnung auf die Plantagen im Alentejo und Douro verlagert, und die meisten Fabriken haben sich im Rahmen der fortschreitenden Automatisierung im Großraum von Lissabon angesiedelt. Allerdings ist die Qualität der Rinde der in den naturbelassenen Eichenwäldern der Serra de Monchique und Serra de Caldeirão wachsenden Korkeichen derjenigen aus Korkplantagen überlegen, deshalb werden daraus bevorzugt hochwertige Korken für Qualitätsweine und Champagner hergestellt.

Dieser Artikel beruht teilweise auf Informationen, die wir mit freundlicher Genehmigung von Algarve Rotas in São Brás de Alportel veröffentlichen. Algarve Rotas bietet geführte Touren an, bei denen man das kulturelle Erbe dieser Region erleben kann.

 

Mehr zum Thema Kork finden Sie in unserem Blog unter "São Brás de Alportel - Korktour"


Korkeiche (Sobreiro)

Korkeichen gedeihen an der Algarve in den naturbelassenen Wäldern der Serra

Die Korkeiche (Quercus suber L.) ist ein immergrüner Laubbaum, der vor allem im Westen der Iberischen Halbinsel vorkommt. In Portugal gedeiht er besonders in den Mittelgebirgslagen der Serra, an der Küste wird er in Plantagen angebaut. Aus seiner äußeren Rindenschicht, der Stammborke, wird Kork als Ausgangsmaterial für vielfältige Verwendungszwecke gewonnen. In den naturbelassenen Wäldern der Serra der Algarve herrschen ideale klimatische Voraussetzungen, sodass hier Korkrinde von besonders hoher Qualität wächst, die weit höhere Preise erzielt als das Produkt aus Korkplantagen.

Korkeichen können mehrere hundert Jahre alt werden. Sie sind sehr anspruchslos und widerstandsfähig, und können auch die häufig in der Region vorkommenden Waldbrände überstehen. Da die erste Ernte der Rinde erst nach 25 Jahren erfolgen kann, ist die Anpflanzung von Korkeichen eine mehrere Generationen umfassende Investition. Aus diesem Grund werden große Flächen bevorzugt mit schnell wachsendem Eukalyptus als Rohstoff für die Zellstoffindustrie aufgeforstet, mit katastrophalen ökologischen Folgen: Eukalyptus verdrängt die heimische Pflanzen- und Tierwelt, laugt den Boden aus und begünstigt verheerende Waldbrände.


Korkernte

Ein traditionelles Handwerk, das große Erfahrung und Geschicklichkeit erfordert

Der Anbau und die Ernte von Korkeichen unterliegen strengen Regeln und Qualitätskriterien. Eine Korkeiche benötigt 25 Jahre, bis ihre Rinde erstmals abgeerntet werden kann, und die weiteren Ernten finden dann in der Regel alle 9 Jahre statt. Die Korkernte muss bei Trockenheit der Zeit von Juni bis August erfolgen und kann ausschließlich von Hand durchgeführt werden. Sie erfordert großes Geschick, um beim Abschälen der Borke mit einem langen scharfen Messer den Baum nicht zu verletzen.

Um den Baum nicht allzu sehr zu schwächen wird in der Regel nur die Rinde des Hauptstammes geerntet, bei sehr großen Bäumen teilweise auch die von sehr dicken Ästen. Nach der Ernte wird jeder Baum mit der letzten Ziffer des aktuellen Jahres und einem Kürzel für den Besitzer markiert. Das Untergewebe der Eiche erscheint nach dem Entfernen der Stammborke zunächst weißlich, färbt sich aber unter dem Einfluss des Sonnenlichtes schnell rot bis rotbraun und dunkelt im Laufe der Zeit stark.

Die Rindenstücke werden für den Transport, der in oft unwegsamen Gelände teilweise über mehrere Kilometer zu Fuß erfolgen muss, in Bündel von 15 Kg zusammengeschnürt. Die Erntearbeit ist mit bis zu 150 € pro Tag sehr gut bezahlt, aber es findet sich kaum noch Nachwuchs für diese anstrengende saisonale Tätigkeit.


Korkverarbeitung

Heute gibt es an der Algarve nur noch wenige traditionelle Korkfabriken

In der Blütezeit der Korkindustrie er Algarve zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es über hundert Korkfabriken in der Umgebung von São Brás de Alportel, denen die Ortschaft ihren damaligen Wohlstand verdankte. Heute gibt es dort nur noch 5 Fabriken sowie einige in der Umgebung von Silves. Gründe hierfür sind die Industrialisierung der Weiterverarbeitung und damit einhergehend die Verlagerung der Fabriken in den Großraum Lissabon.

Eine der ältesten dieser Fabriken in Mesquitas bei São Brás ist auf die Aufbereitung der Korkrinde spezialisiert, wobei alle Arbeitsschritte vom Kochen der Rinde bis zur Selektion und dem Zuschneiden von Hand erfolgen. Zur Weiterverarbeitung wird der so aufbereitete Kork in Ballen von 65 kg in unterschiedlichen Qualitäten an andere Fabriken geliefert, wo daraus u.a. Wein- und Sektkorken, aber auch eine Vielzahl anderer Produkte, hergestellt werden.

Die Abfälle aus dem Zuschneiden der Korkstücke dienen als Ausgangsmaterial für das Herstellen von Granulat, das unter Zugabe von organischem Leim ohne chemische Zusatzstoffe zu Bodenbelägen, Isoliermaterial und Formteilen verwendet wird.


Produkte aus Kork

Kork ist wegen seiner physikalischen, thermischen und chemischen Eigenschaften vielseitig verwendbar

 Das Naturprodukt Kork verfügt über viele Eigenschaften, die es zu einem einmaligen Material machen:

  • Leichtigkeit
  • Undurchlässigkeit von Wasser und Gasen
  • Elastizität und Komprimierbarkeit
  • Ausgezeichnete thermische und akustische Isolierung
  • Feuerbeständigkeit
  • Abriebfestigkeit

Die bekannteste Verwendung von Kork ist als Korken für Wein- und Sektflaschen. Andere Verschlusstechniken haben in letzter Zeit den Flaschenkorken im Niedrigpreissegment teilweise verdrängt, aber für Qualitätsweine und Champagner ist er nach wie vor nahezu unverzichtbar. Erstklassige Korken, die aus besonders hochwertigem Kork gewonnen werden, erzielen Preise von bis zu 5 € pro Stück. Die Qualitätsunterschiede bei Flaschenkorken sind erheblich. Für die Herstellung von Flaschenkorken gibt es strenge internationale Richtlinien.

Ein besonderes Produkt ist das sog. Korkleder, auch Korkstoff genannt. Es wird in einem aufwendigen Prozess als dünne Schicht aus der Mitte der Korkrinde gewonnen. Die Platten werden zu Bahnen verleimt und mit einem Textilstoff unterfüttert. Dieses Material kann für Bekleidung, Schuhe, Handtaschen und viele kunsthandwerkliche Gegenstände verwendet werden.

Die Abfälle aus dem Zuschneiden der Korkstücke dienen als Ausgangsmaterial für das Herstellen von Granulat, das unter Zugabe von organischem Leim ohne chemische Zusatzstoffe zu Bodenbelägen, Isoliermaterial und Formteilen verwendet wird. Auch preiswerte Flaschenkorken können daraus hergestellt werden.


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